"Die Idioten. das stück" von Jo Fabian

"Pur, kalt lächelnd und kreuzgefährlich." / BZ

video


Premiere: 20.02.2002, Hebbel-Theater, Berlin
Inszenierung /Bühne /Licht: Jo Fabian
Dramaturgie: Henning Fülle
Schauspieler/-innen:
Petra Bogdahn,
Jörg Steinberg
Produktionsleitung: Karin Kirchhoff
PR: Ralph Boock


Der Berliner Multikünstler Jo Fabian benutzt für sein neuestes Stück "DIE IDIOTEN" eigene, in den letzten Jahren völlig undogmatisch entstandene Texte, die nun auch als Buch erschienen sind. Bei der Uraufführung im Hebbel- Theater legt er die närrische Minimalprosa zwei gesetzten Landeiern in den Mund und bündelt die losen Momentaufnahmen zu einer bizarren Nummernrevue mit lebhaftem Rezitationscharakter. "Gute Unterhaltung auf der einen Seite, leichte Betroffenheit auf der anderen", so umreißt Hertha das Konzept der Veranstaltung. Das Provinzpaar sieht äußerst harmlos aus, und wenn es solid-betulich mit einer Erzählung beginnt, ist daran rein gar nichts verdächtig. Aber schnell entpuppen sich die zwei hinter den Masken ihrer Biederkeit als toll gewordene Rohlinge. Hieß es bei Jo Fabian früher, daß Geschichten, die man versteht, nur schlecht erzählt seien, setzt er diesmal vor allem auf den Reiz der narrativen Überraschung, die diese aberwitzigen Miniaturen in ihrer kruden Logik wie selbstverständlich und überzeugend- verrückt auffängt.
Aus dieser Spannung zwischen Hoffen und Bangen, Nonsens und Gruselmärchen, vertrauten Erwartungen und bösem Erwachen gewinnt die eindrucksvolle Aufführung ihre grelle Euphorie. Ohne auf die Kategorien von Tanz-, Pop-, oder Sprechtheater zu achten, schafft sich Jo Fabian hier eine schauerlich schöne Nische, in der er, fein beobachtet und famos überzeichnet, individuelle Neurosen zu kollektiven Obsessionen aufblühen laßt.
Irene Bazinger; F.A.Z. / Berliner Seiten, 23.02.2002

Gemütlich ist die neue Inszenierung von Jo Fabian im Hebbel-Theater nun wirklich nicht: "DIE IDIOTEN. das stück" wird letztlich zur Demontage einer vorgegaukelten Betulichkeit, eingerahmt von unglaublich geschmacklosen Programmeinlagen aus Blasmusik, Kinderballett und Vicky Leandros- Imitation. Aus behäbig vorgetragenen Geschichten aus dem ländlichen Alltag schälen sich die brutalen Monster, die fröhlich und nur "so aus'm Hobby raus" von erschossenen Tauben, abgerissenen Kinderarmen und Bazillen im Trinkwassersystem plaudern. Ein neuer Fabian, ohne Design-Schnörkel, ohne Tanzalphabet: Pur, kalt lächelnd und kreuzgefährlich.
bti; B.Z., 25.02.2002

Eine Koproduktion von Jo Fabian Department, Berlin – Hebbel-Theater, Berlin. Gefördert durch die Senatsverwaltung für
Wissenschaft, Forschung und Kultur, Berlin. Mit freundlicher Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds, Berlin.