"House of Lorca 2" von Jo Fabian

"Wäre diese Arbeit eine Baseler oder Hamburger Produktion, wäre sie Hauptbestandteil des Theatertreffens"



Perlimplin - House of Lorca 2
(nach Federico Garcia Lorca:
"In seinem Garten liebt Don Perlimplin Belisa")

Uraufführung: 7. April 1998, Hebbel-Theater Berlin

Premiere: 17. April 1998, Kleist Theater Frankfurt (Oder)

Regie, Bühne, Licht, Text: Jo Fabian
Regieassistenz: Christopher Langer
Musik: Ralf Krause
Video: Jo Fabian, Nico Felden

Darsteller/innen:
Petra Bogdahn, Artemis Chalkidou, Michaela Winterstein;
Lutz Günzel, Ralf Krause

"Perlimplin – House of Lorca 2", eine Koproduktion des Kleist Theaters, Frankfurt Oder, mit dem Hebbel-Theater, Berlin, darf als Höhepunkt Fabians Suche nach einem eigenen Genre bezeichnet werden.
Fabians Ensemble hat die Texte des Stückes an seinen Wurzeln bezwungen. Es entstand eine kompakte Daily-Soap-Version, die triviale Belanglosigkeit der entwickelten Texte führt das Drama auf die kreatürliche Banalität jeglichen Gefühls zurück.
Auf einer durchsichtigen Videowand, ein brechtscher Vorhang, erscheint die Hand des Autors, demonstriert die Arbeit des Schreibens. Hinter ihm erzählt Fabian die Geschichte in Bildern naiver Schärfe, ein sparsamer Gestus aller Darsteller, der fast vollständige Verzicht auf körperliches Spiel mit dem Partner, reduziert auf exemplarische Gesten, transportieren die extremen Gefühle mit epischer Schärfe in den Raum.
Die ästhetische Dichte der Inszenierung zwingt den Zuschauer zur genauen Beobachtung und zum Benutzen des eigenen Verstandes. Fabian schafft eine Einheit zwischen verschwindender Schriftlichkeit und dominierendem Bildschirm, die Spieler treten hinter die Hand des Autors zurück und als Produzenten der eigenen Texte hervor. In den letzten Jahren gab es zumindest in Berlin keine Inszenierung, die Brechts Maßgaben so erfolgreich umsetzte.
Wäre diese Arbeit eine Baseler oder Hamburger Produktion, wäre sie Hauptbestandteil des Theatertreffens, so bleibt dem Kleist-Theater nur der Dank und der Ruhm, sie ermöglicht zu haben. Es wäre schön, könnten alle Teile der Trilogie an einem Abend genossen werden.
(Hein Gothe, Junge Welt, Berlin, 09.04.1998)

Eine Koproduktion des Kleist Theaters Frankfurt/Oder mit dem Hebbel-Theater Berlin