"House of Lorca 3. die andere seite" von Jo Fabian

"Die andere Seite" ist der stärkste Teil von Fabians Garcia-Lorca-Trilogie." (K. D. in: Frankfurter Rundschau/11.5.99)



Premiere: 30.4. 1999, Hebbel-Theater Berlin

Regie/Bühne/Kostüme/Licht: Jo Fabian
Musik: Ralf Krause
Assistenz: Christopher L
anger
Management: Traudl Kupfer
Öffentlichkeitsarbeit: Ralph Boock

Darsteller-/innen:
Paula E. Paul;
Ralph Boock, Jörg Jüsche, Ralf Kittler, AlbertoTorrent
Lutz Günzel (on Video)

Hospitanz:
Birgit Aßhoff
Kuan Wu Lin
Tanja Matjas


Jo Fabians sinnlicher Bilderbogen über den großen spanischen Poeten Federico Garcia Lorca wird mit dem dritten Teil "die andere Seite." abgeschlossen. Die Mauer, die wir im ersten und zweiten Teil jeweils als Grenze einer sehr engen und tradierten Welt erlebt haben, wird umgekehrt. So wandert unser Blick aus der Welt der Frauen in die Welt der Männer hinein - einer eher unterbelichteten Seite in Lorca's Schaffen.
Das fehlende Bild des ersten Teils, in dem es einer einzigen Tochter gelang, aus dem Hause zu (ent-)kommen, ist gewissermaßen der erzählerische Ausgangspunkt des letzten Teils der Trilogie. Lust und Enttäuschung, die Nähe zwischen Tragik und Komik und nicht zuletzt der direkte emotionale Ausdruck des Flamenco in Musik und Tanz soll dem kreatürlichen Prinzip Hoffnung in einer Gesellschaft, die den Glücksanspruch des Menschen in die Muster des durch Jahrhunderte entstandenen Rituals der Disziplinierung gezwängt hat, Gestalt verleihen.
Das langjährige Arbeitsprinzip Fabians: "Freiheit führt in die Gefangenschaft und umgekehrt" wird unzulässigerweise als inzwischen bereits bekannt vorausgesetzt.
(Pressetext Department)

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Wenn die Frau wieder die Szene betritt, beginnt ein Spiel der Werbung: Sie kapriziös und kokett, die Herren eher dumpf und selbstgefällig. In ihren Flamencoschuhen hämmern sie den Stakkatorhythmus des Zapateado, bringen sich mit Anfeuerungsrufen in Wallung. Es geht um Macht, um Dominanz. Der Dichter stört und wird des Platzes verwiesen. Immer mehr steigern sich die Männer in ihren Tanzfuror, bis auf dem Höhepunkt der tackernde Rhythmus ihrer Füße wie Maschinengewehrsalven klingt. Auf der Leinwand erscheinen Szenen aus dem spanischen Bürgerkrieg.
Fabian gelingt, was ihm schon im Auftakt zu seiner Auseinandersetzung mit Garcia Lorca gelang: eine spannungsgeladene, vollkommen eigenständige Theatersprache zu entwickeln. Seine fünf Darsteller beglaubigen diesen Ansatz unprätentiös und doch virtuos. Die Attraktion erwächst aus einer gut geführten Binnenspannung, einer äußersten Beherrschtheit, an der sich der Furor reiben kann. Das erzählt allemal mehr als offensive Leidenschaft. Es läßt Raum für eigene Gedanken, Gefühle.
(N. Servos in: Der Tagesspiegel/3.5.99)

Eine Produktion von Jo Fabian Department mit dem Hebbel-Theater Berlin