"Unverhofftes Wiedersehen" von Jo Fabian

"Wie aber erkläre ich Zeit? Indem ich sie vergehen lasse." / Frank Quilitzsch




Premiere: 16.05.1997, Theaterhaus Jena

Regie, Bühne, Musikalische Einrichtung: Jo Fabian
Kostüme: Katharina Tietze
Dramaturgie: Bettina Masuch

Darsteller/innen:
Anke Fleuter, Susanne Jansen;
Jan Jochymski, Jakob E.G. Kraze



Eine Geschichte, in der nicht die großen historischen Ereignisse, sondern das Leben einer einfachen Frau zum Maß aller Dinge wird: In Johann Peter Hebels Erzählung "Unverhofftes Wiedersehen" wartet eine Frau fünfzig Jahre auf ihren Bräutigam, der eines Tages nicht aus den Bergwerken von Falun wiederkehrt
Wieso, fragt Jo Fabian in seinem ebenfalls "Unverhofftes Wiedersehen" betiteltem Stück, wartet die Frau? Wieso warten wir überhaupt, und, wie warten wir? Am Ende des eineinhalbstündigen, derzeit im Hebbel- Theater präsentierten Abends wissen wir: Man muß keine fünfzig Jahre gewartet haben. Wer je wirklichen Liebeskummer verspürt hat, ganz einfach und unschuldig und fast schon pubertär, der hat von der Ewigkeit der Zeit gekostet, von der Zeit, die nicht mit Uhren meßbar ist und an der Kriege und Könige vergehen. Ganz nebenbei erzählt Fabian das. Und obwohl die Vorgängen auf der Bühne scheinbar nichts mit den Bergwerken von Falun gemein haben, hat uns Fabian am Ende in eben genau diese Geschichte einen tiefen Eindruck gegeben.
(Michaela Schlagenwerth, Berliner Zeitung, 12.1.1998)

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Fabian setzt auf fortwährende Repetition, verändert die Choreographie nur geringfügig. Das ist quälend eintönig und faszinierend zugleich; die hochartifiziellen Bilder entwickeln einen eigenartigen Sog. Das Geschehen präsentiert sich als ein in sich geschlossener Kosmos, das normale Zeitmaß ist außer Kraft gesetzt. Was bleibt, ist die enorme Suggestivkraft der Bilder.
(Christine Gerberding, Berliner Morgenpost, 12.01.1998)

Eine Produktion des Theaterhauses Jena